Warenkorb

Warenkorb

Abgeschossen bei Charkow

Mit einem Flugzeug abzustürzen, das ist für die meisten Menschen ein unvorstellbares Ereignis. Herr Goertzen hat das während seiner Zeit als Bordfunker gleich mehrmals erleben müssen. Noch heute kann er sehr lebhaft berichten, wie er am 7. August 1943 bei Charkow in einen Luftkampf verwickelt wurde. Eine Rotte sowjetischer Jäger griff seinen Verband an und neben ihm stürzte die Maschine von Uffz. Jahn brennend ab – alle fünf Besatzungsmitglieder fanden im Aufschlagsbrand den Tod.

Auszug aus dem Flugbuch von Heinz Goertzen mit dem vermerkten Abschuss am 7.8.43.

Lange Zeit, das grausige Spektakel zu beobachten, hatte er nicht. Wie gebannt starrte er auf den Himmel vor ihm. Wo war der Jäger? Er hatte ihn aus den Augen verloren, zuvor aber noch eindrehen sehen. Sekunden vergingen wie Stunden. Da! Ganz plötzlich tauchte er auf, kurvte genau auf seine Maschine ein, setzte sich dahinter und begann zu feuern. Nur für Sekundenbruchteile sah Goertzen das Flugzeug mit dem roten Stern zum Greifen nahe vor ihm.

Der Angriff ereignete sich so schnell, dass er überhaupt nicht zum Schuss kam, ganz gleich, wie schnell er das Maschinengewehr herumgerissen hätte. Hier zeigte sich, was die Ratschläge aus der Ausbildung mit „geben Sie ein oder zwei Schuss ab, um zu sehen, ob die Richtung stimmt“, wert waren. Wie hatten die Leute, die diese Richtlinien herausgaben, sich das eigentlich vorgestellt?

Goertzen hatte zwar das feurige Züngeln an den Tragflächen der Feindmaschine wahrgenommen, im monotonen Singen der Motoren aber nur ein dumpfes Klappern an seiner Heinkel vernommen. Kaum waren die Jäger abgekurvt, drehte er sich in seinem Ringstand um, um einen prüfenden Blick auf Rumpf und Tragfläche zu werfen. Der Anblick der Flammen, die aus dem rechten Motor schlugen, durchzuckte ihn wie ein Blitz. Vorne in der Kanzel drehte der Bordmechaniker geistesgegenwärtig die Benzinleitung für den Steuerbordmotor zu, das Feuer erlosch. In der Kanzel kämpfte die Besatzung nun darum, die Maschine in der Luft zu halten und nach einer geeigneten Notlandestelle zu suchen. Um genau 5.56 Uhr brachte Leutnant Steinmann die Maschine sicher auf einer Wiese bei Bairak, 75 Kilometer südöstlich von Charkow herunter. Die Maschine setzte mit einem Rumpeln auf, die Propellerblätter zerbarsten, das Flugzeug schlitterte über den Boden und blieb mit einem Ruck stehen.

Die He 111 der Besatzung Steinmann nach der Notlandung.

Alle hatten überlebt, Goertzen machte noch beigefügtes Foto des Heinkel, dann ging er zurück zum Funkraum, um eines der MG 15 aus den Seitenständen zu holen. Aus sicherer Entfernung begannen er auf die Tragflächentanks zu schießen, um die Heinkel in Brand zu setzen. Anschließend wurde in ein nahegelegenes ukrainisches Dorf gewandert, von wo aus mit einem Pferdefuhrwerk die nächstgelegene Einheit erreicht wurde.

Adrian Matthes und Heinz Goertzen 2026.

Wie präsent Goertzen heute noch all diese Erlebnisse hat ist beeindruckend, sie haben sich ihm unvergesslich in sein Gedächtnis eingebrannt. In den vergangenen Monaten haben wir alle diese Geschichten niedergeschrieben und nachrecherchiert. Sein Buch „Achtung Frontüberflug!“ findet ihr bei Interesse hier:

„Achtung Frontüberflug!“

25,00 35,99  incl. 7% taxes within the EU
Kategorie:
en_USEnglish