Vor einigen Tagen habe ich eine sehr interessante SpiegelTV-Dokumentation über Enkeltrickbetrug, „Schockanrufe“ und Trickbetrüger gesehen – selbstverständlich waren die gezeigten Täter das „übliche Klientel“, um das einmal internetkonform auszudrücken. Für mich, der viel mit hochbetagten Menschen zusammenarbeitet ein bedrückendes Thema und ich empfinde diese Masche, welche die Naivität und Gutgläubigkeit alter Menschen ausnutzt, als besonders perfides Verbrechen. Eigentlich alle Ü100jährigen die ich kennenlernen durfte haben solche Anrufe bereits erhalten, zum Glück waren die Betrügerbanden bisher noch nirgends erfolgreich.
Auch bei Dr. Michner witterten die Gauner vor einigen Jahren leichtes Spiel. Als er gerade von einem Spaziergang zurückkehrte (er ging bereits am Stock) folgten sie ihm zu seiner Wohnung, in die sie unter einem Vorwand einzudringen versuchten. Doch womit die drei Gangster sicher nicht gerechnet haben: Vor ihnen stand ein ehemaliger Oberleutnant der Wehrmacht, der über reichlich Nahkampferfahrung verfügte. Zwar lag das schon Jahrzehnte zurück, aber Dr. Michner war seinen Feinden schon oft Auge in Auge gegenübergestanden und hatte sicherlich alles andere als Angst. Beim Vormarsch in Russland war er zu Pferde im Galopp, in der einen Hand die C96 Pistole, die sein Vater bereits im Ersten Weltkrieg führte, in der anderen eine geballte Ladung, durch das MG-Feuer gegen feindliche Bunker angeritten. Im Nahkampf war er als erster seinem Spähtrupp voran mit der MPi in die feindlichen Stellungen eingedrungen. Für die drei Trickbetrüger hatte er also nur ein müdes Lächeln übrig und so griff der Ü90jährige Michner blitzschnell zu einem Küchenmesser und konnte den „Angriff erfolgreich abwehren.“ Für die Zeitung hat er das Ganze dann nochmal nachgestellt, wie man hier nachlesen kann:
https://www.heute.at/s/pensionist-91-vertreibt-3-trickdiebe-mit-messer-29306158
Selbstverständlich habe ich ihn bei der Arbeit an seinem Buch darauf angesprochen. Unser eins wäre nach so einem brenzligen Zusammenstoß in den eigenen vier Wänden wohl traumatisiert oder in Angstzuständen. Oberleutnant Michner ließ die ganze Sache kalt. Gestört hatte ihn nur etwas, dass im Gefechtskalender seines Soldbuches nicht ausreichend Platz war, denn er hätte die ganze Sache gerne als seinen wohl letzten Nahkampftag nachgetragen.

Sicherlich will ich mit diesem Beitrag diesen Akt der Notwehr nicht glorifizieren und auch selbst würde ich jede Auseinandersetzung mit einem Messer meiden. Es stößt mir aber auf, dass es erst so weit kommen muss, dass hochbetagte Weltkriegsveteranen nochmals „Nahkampftage“ sammeln müssen. Wenn man die Banden doch kennt, wieso unterbindet man das nicht?

Die Moral von der Geschichte: Redet mit euren Eltern und Großeltern über die bekannten Betrügermaschen und wer nachlesen will, was Dr. Michner in seinem Jahrhundertleben noch alles erlebt hat, findet unser Buch hier:
