Wenn es unter den Zeitzeugen, die ich kennenlernen durfte, jemanden gibt, dem man wirklich sofort anmerkt, dass er Soldat gewesen ist, dann ist das Oberleutnant Dr. Michner.
Spricht man mit ihm über seinen Fronteinsatz, geben Gestik, Mimik und seine „scharfe“ Ansprache unmissverständlich zu verstehen, dass dieser Mann einmal Offizier bei einer Feldeinheit gewesen ist – und das über mehrere Jahre hinweg. Er ist immer zum Scherzen aufgelegt, hat einen einzigartigen „schwarzen“ Humor, aber wenn es ans Eingemachte geht, bekommt er einen stechenden, durchdringenden Blick.
Als ich mich vor drei Jahren dank eines Freundes bei ihm vorstellen durfte, um ihn zu fragen, ob ich seine Kriegserinnerungen zu Papier bringen dürfe, hatte ich es zunächst nicht leicht. Er lud mich ein, und voller Ehrfurcht stand ich vor ihm. Hinter ihm hing an der Wand ein Gemälde von ihm, auf dem er mit Bandenkampfabzeichen und EK I dargestellt war. Er stellte eine Flasche Wein und Wodka auf den Tisch und hatte mich in kürzester Zeit mit über 100 einfach unter den Tisch getrunken. Er wollte von mir wissen, was es bezwecken solle, seine Geschichte aufzuschreiben. Als ich dann noch allerlei kavalleriespezifische Fragen nicht beantworten konnte, sah ich schwarz. Gedient hatte ich auch nicht, und als ich nicht einmal eine Visitenkarte (ich war noch Student) vorweisen konnte, standen die Chancen für das Buchprojekt schlecht.

Offenbar hatte er jedoch Freude daran, mich, den jungen „Zivilisten“, ein wenig zurechtzustutzen, und gestattete mir zunächst, einige Episoden seiner Kampferlebnisse aufzuschreiben. Diese legte ich ihm einige Tage später vor. Er nickte nur knapp: „Weitermachen!“ Als ich ihm zur Verabschiedung die Hand reichen wollte, führte er stattdessen seine zum militärischen Gruß an die Stirn und sah mich auffordernd an. Etwas unbeholfen tat ich es ihm gleich, woraufhin es schallte: „Nehmen Sie Haltung an!“ Dann grinste er – und ich wusste, woran ich war.
Das Buch, das einige Monate später fertig war, wurde ein voller Erfolg, und Herbert bot mir schließlich das „Du“ an. Seitdem darf ich ihn wohl einen guten Freund nennen. Er hält etwas auf mich – obwohl ich noch immer nicht trinkfest bin und das mit dem Grüßen auch noch nicht so recht klappen will.
Wenn ich daran denke, was er alles erlebt – oder besser gesagt überlebt – hat (Stalingrad, Balkan etc.), kann ich nur staunen. Ich würde ihn als einen Mann beschreiben, der vor nichts – wirklich gar nichts – Angst hat.
Beim Schreiben seines Buches habe ich mir große Mühe gegeben, nicht nur seine Kriegserlebnisse zu dokumentieren, sondern auch die Art und Weise festzuhalten, wie er sie erzählt hat. Es ist die Geschichte eines „zackigen“ Oberleutnants, der noch im Säbelreiten ausgebildet wurde und 1945 wohl den letzten größeren Kavallerieangriffe der Militärgeschichte mit anführte.
Wer sich für seine Lebensgeschichte interessiert und unsere Arbeit unterstützen möchte, findet das Buch hier:
