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Der letzte Kavallerieoffizier der Wehrmacht meldet sich ab.

Leider muss mitgeteilt werden, dass Oberleutnant Dr. Herbert Michner vergangene Nacht (7. April 26) im hohen Alter von 103 Jahren friedlich eingeschlafen ist. Er bildet damit als letzter Kavallerieoffizier ein würdiges Schlusslicht für seine Truppe, die ihm Zeit seines Lebens viel bedeutete.

Vier Jahre diente der gebürtige Klagenfurter zu Pferde in der Wehrmacht und führte darüber Tagebuch. Für unser gemeinsames Buchprojekt blickte er zurück auf seine Jugend und Militärzeit, die ihn vom Kavallerieregiment 11 in Stockerau bis nach Russland führte. Dort nahm er 1942 am Vorstoß in den Donbogen teil, der für ihn im Kessel von Stalingrad endete, aus dem er verwundet ausgeflogen wurde. Die folgenden Kriegsjahre sahen ihn bei der Bandenbekämpfung in der 1. Kosaken-Division auf dem Balkan. Als Ordonnanzoffizier in der Plastun-Brigade „Kononow“ erlebte er im Mai 1945 die Kapitulation in Kärnten. In dieser Zeit erlebte er Nahkämpfe, infanteristische Sturmangriffe und Reiterangriffe. Beinahe hätten ihn 1945 Tito-Partisanen als Geisel genommen. Herr Dr. Michner hatte oft großes Glück – beinahe wäre sein Leben schon in jungen Jahren geendet.

Die Erlebnisse im Krieg haben ihn Zeit seines Lebens geprägt. Ich denke nicht, dass es viel gab, was ihn aus der Ruhe bringen konnte. Mit ihm hat sich der letzte Offizier verabschiedet, der in Stalingrad eine Reiterschwadron führte; vermutlich war er auch der letzte Träger des Bandenkampfabzeichens.

Gewissermaßen war er „der Letzte seiner Art“, und ich war gerne mit ihm befreundet. Unvergesslich werden mir die Fahrten zu ihm nach Wien bleiben: Wir haben Weißwein getrunken, über seine deftigen Witze gelacht und seine Erinnerungsstücke aus seiner Dienstzeit bewundert.

Nun heißt es für Familie und Freunde, Abschied zu nehmen. Mach’s gut! Ich werde dich vermissen.

Dr. Herbert Michner 2015 und 1943.
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